Jun 30

Inside Juni 2026: Entlastung ja. Aber nicht automatisch beim Kunden.

Vorwort

Liebe Energiemaklerinnen und Energiemakler,

der Juni hat gezeigt, dass sich der Energiemarkt nicht mehr mit einer einfachen Botschaft erklären lässt. Auf der einen Seite stehen Entlastungssignale: niedrigere Netzentgelte, ein politisch gewollter Industriestrompreis, mehr Tempo beim Netzausbau und neue europäische Instrumente für mehr Preisstabilität. Auf der anderen Seite bleiben die realen Kostenrisiken bestehen: geopolitische Unsicherheit, volatile Beschaffungspreise, regionale Netzbelastungen, strengere Annahmerichtlinien der Energieversorger und eine wachsende Komplexität der Stromrechnung.

Genau daraus entsteht die zentrale Botschaft dieser Ausgabe: Entlastung kommt - aber sie wirkt nicht automatisch, nicht überall gleich und nicht bei jedem Kunden in derselben Höhe. Für viele Unternehmen wird es deshalb wichtiger, die eigene Energiekostenstruktur wirklich zu verstehen. Der Arbeitspreis ist nur noch ein Teil der Geschichte. Netzentgelte, Leistungspreise, Messstellenbetrieb, Lastgänge, Bonität, Vertragslaufzeiten und regulatorische Änderungen entscheiden immer stärker darüber, ob ein Angebot wirtschaftlich sinnvoll ist.

Der Juni war deshalb kein Monat für einfache Aussagen wie "Strom wird günstiger" oder "der Markt beruhigt sich". Beides kann in einzelnen Bereichen stimmen und gleichzeitig für einen konkreten Gewerbe- oder Industriekunden falsch sein. Genau hier liegt die Rolle eines professionellen Energiemaklers: Nachrichten einordnen, Erwartungen realistisch machen und Kunden helfen, aus komplexen Marktinformationen konkrete Entscheidungen abzuleiten.

Für Sie als Energiemakler liegt darin eine große Chance. Je unübersichtlicher der Markt wird, desto wichtiger wird die Fähigkeit, nicht nur Preise zu vergleichen, sondern Zusammenhänge zu erklären. Wer Kunden heute sauber durch die Themen Netzentgelte, Netzausbau, Industriestrompreis, Energy Sharing und Beschaffungsrisiken führt, baut Vertrauen auf - und Vertrauen ist in einem nervösen Energiemarkt oft der entscheidende Wettbewerbsvorteil.

Alexander Schießl

Inhalte

Branchen-News: Juni zwischen Entlastungssignalen, geopolitischer Beruhigung und weiterhin vorsichtigen Energieversorgern

Der Juni 2026 war kein Monat der Eskalation, aber auch kein Monat der echten Entspannung. Nach den starken Verwerfungen durch den Iran-Konflikt und die zeitweise Einschränkung wichtiger Seewege haben sich einzelne Märkte beruhigt. Gleichzeitig bleibt die Risikowahrnehmung der Energieversorger deutlich höher als zu Jahresbeginn. Genau diese Mischung aus Beruhigung und Vorsicht prägt aktuell viele Ausschreibungen im Gewerbe- und Industriekundensegment.

Ein gutes Beispiel ist die Entwicklung rund um die Straße von Hormus. Nach der zwischenzeitlichen Eskalation im Frühjahr hat sich der Transport von Energie- und Rohstoffgütern im Juni teilweise normalisiert. Reuters berichtete Ende Juni, dass wieder größere Mengen an Schwefel und Harnstoff die Straße von Hormus verlassen konnten. Gleichzeitig wurde aber deutlich: Die Transporte liegen noch nicht wieder auf Vorkrisenniveau, zahlreiche Schiffe warten weiter, und Analysten rechnen selbst im besten Fall erst ab August mit einer deutlicheren Normalisierung. Für den Energiemarkt ist das wichtig, weil Hormus nicht nur für Öl und LNG relevant ist, sondern auch für Vorprodukte, die in Industrie, Landwirtschaft und Chemie benötigt werden.

Für Deutschland heißt das: Auch wenn die akute Panik aus dem Markt weicht, bleiben Risikoaufschläge in der Kalkulation. Energieversorger kalkulieren nicht nur den heutigen Börsenpreis, sondern auch die Frage, was während der Lieferperiode passieren kann. Je länger die gewünschte Laufzeit und je unsicherer die Kundensituation, desto stärker wird dieses Risiko eingepreist. Das erklärt, warum einzelne Kunden im Juni trotz leicht entspannter Schlagzeilen keine deutlich besseren Angebote erhalten haben.

Gleichzeitig wirkt Gas weiterhin direkt auf den Strommarkt. Deutschland hat zwar einen hohen Anteil erneuerbarer Energien, aber in vielen Stunden setzen Gaskraftwerke weiterhin den Grenzpreis. Wenn LNG-Risiken, Speicherfüllstände oder geopolitische Transportwege unsicher sind, schlägt sich das nicht nur in Gasangeboten nieder, sondern auch in Stromkalkulationen. Für Kunden ist dieser Zusammenhang oft schwer verständlich: Sie sehen viel Wind- und Solarstrom im System und fragen trotzdem, warum Gaspreise ihre Stromrechnung beeinflussen.
Im Juni kam ein zweiter Faktor hinzu: die politische Kommunikation über Entlastungen. Der geplante Bundeszuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten, die Debatte um den Industriestrompreis und europäische Maßnahmen zur Stärkung der Industrie erzeugen bei vielen Kunden die Erwartung, dass Energie nun insgesamt günstiger werden müsse. In der Praxis ist die Wirkung aber deutlich differenzierter. Ein energieintensiver Industriekunde mit passenden Voraussetzungen kann anders betroffen sein als ein klassischer Gewerbekunde mit 80.000 kWh Jahresverbrauch, mehreren Lieferstellen und ungleichmäßigem Lastprofil.

Auch die Anbieterlandschaft bleibt uneinheitlich. Einige Energieversorger wollen weiterhin Wachstum und kalkulieren aktiv. Andere konzentrieren sich stärker auf Bestandskunden oder auf Kundengruppen mit klarer Bonität, stabiler Verbrauchshistorie und geringem Ausfallrisiko. Dadurch entstehen im Markt größere Preisabstände als in ruhigeren Phasen. Ein Kunde kann bei Anbieter A abgelehnt werden, bei Anbieter B ein defensives Angebot erhalten und bei Anbieter C ein wettbewerbsfähiges Angebot bekommen - nicht weil der Markt widersprüchlich ist, sondern weil die Strategien der Versorger unterschiedlich sind.

Konkretes Praxisbeispiel: "Ein produzierender Betrieb mit 450.000 kWh Stromverbrauch, guter Verbrauchshistorie, aber schwankenden Lastspitzen kann im aktuellen Markt sehr unterschiedlich bewertet werden. Ein Versorger sieht vor allem den hohen Verbrauch und die Chance auf Marge. Ein anderer schaut auf Lastgang, Bonität, Branchenrisiko und mögliche Mehrmengen. Ein dritter kalkuliert nur bei kurzer Bindefrist oder verlangt zusätzliche Unterlagen. Für den Kunden sieht das nach Willkür aus. Für den Energiemakler ist es ein Beratungsanlass."
Ein weiteres Beispiel betrifft Unternehmen mit mehreren kleinen Lieferstellen: Filialisten, Gastronomiegruppen, Bäckereien, Pflegeeinrichtungen oder Dienstleister. Diese Kunden erwarten häufig eine einfache Bündelung. Energieversorger prüfen jedoch zunehmend, ob die Verbrauchsprofile, Standorte und Vertragsenden sauber zusammenpassen. Wenn Daten fehlen oder Lieferstellen unklar sind, verlängert sich die Bearbeitung - oder die Ausschreibung wird vorsichtiger bewertet.

Die wichtigste Branchen-News im Juni lautet deshalb nicht: Der Markt ist ruhiger. Die eigentliche Nachricht lautet: Der Markt wird selektiver. Politische Entlastungen, geopolitische Beruhigung und niedrigere Teilkosten ändern nichts daran, dass Energieversorger Kunden genauer prüfen und Risiken bewusster bepreisen.

👉 Für Energiemakler bedeutet das vor allem eines: Marktkenntnis wird wichtiger als reine Angebotsweiterleitung. Wer erklären kann, warum ein Versorger ablehnt, warum ein anderer Anbieter teurer kalkuliert und warum ein drittes Angebot trotzdem sinnvoll sein kann, schafft Orientierung in einem Markt, der für Kunden widersprüchlich wirkt.

💡 Neue Spielregeln im Strommarkt

Der Energiemarkt ist trügerisch, strengere Regeln entscheiden über Annahme oder Ablehnung.

🔎 Was bedeutet das für Energiemakler?

Energiemakler sollten im Juni und Juli besonders darauf achten, politische Entlastungsnachrichten nicht ungeprüft als Preisversprechen weiterzugeben. Kunden hören "Netzentgelte sinken" oder "Industriestrompreis kommt" und erwarten sofort niedrigere Angebote. In der Beratung muss sauber getrennt werden zwischen Beschaffung, Netzentgelt, Steuern, Umlagen, Risikoaufschlägen, Bonitätsprüfung und individueller Verbrauchsstruktur.
Wichtig ist auch: Je unsicherer die Marktlage, desto wertvoller werden vollständige Unterlagen. Lastgänge, alte Rechnungen, Vertragslaufzeiten, Kündigungsfristen, Lieferstellenlisten und Bonitätsdaten sind keine Formalitäten mehr, sondern echte Erfolgsfaktoren für gute Angebote.

➡️ Kurz & klar im Kundengespräch:
"Der Markt beruhigt sich an einzelnen Stellen, aber die Energieversorger kalkulieren weiter vorsichtig. Entscheidend ist nicht nur der Börsenpreis, sondern das gesamte Risiko des Kundenprofils."

💡  Unser Tipp

Nutzen Sie aktuelle Entlastungsmeldungen aktiv als Gesprächseinstieg, aber versprechen Sie keine pauschale Senkung. Fragen Sie stattdessen: Welche Verbrauchsstruktur hat der Kunde? Welche Lieferstellen sind betroffen? Gibt es Lastgänge? Wann laufen die Verträge aus? Genau daraus entsteht eine belastbare Beratung.

Marktbewegungen & neue Dynamiken: Warum weniger Risikoappetit, strengere Prüfung und neue Kundensegmentierung die Ausschreibung verändern

Die Marktbewegungen im Juni zeigen, dass sich der Wettbewerb im Energievertrieb verändert. Es geht nicht mehr nur darum, welcher Energieversorger den niedrigsten Arbeitspreis anbietet. Immer häufiger entscheidet bereits vor der Preisabgabe, ob ein Kunde überhaupt in das gewünschte Raster eines Versorgers passt. Diese Entwicklung ist für Energiemakler besonders relevant, weil sie die Abschlusswahrscheinlichkeit direkt beeinflusst.

Noch vor wenigen Jahren war der Gewerbekundenmarkt in vielen Segmenten stärker wachstumsorientiert. Energieversorger wollten Marktanteile gewinnen, Neukunden akquirieren und Volumen aufbauen. Heute ist das Bild differenzierter. Viele Anbieter prüfen genauer, welche Kundengruppen zu ihrer Risikostrategie passen. Dabei spielen Verbrauchshöhe, Branche, Zahlungsprofil, Lastgang, Lieferbeginn, Kündigungssituation und erwartete Margen eine größere Rolle als früher.
Ein Beispiel: Ein Restaurant mit 70.000 kWh Stromverbrauch kann auf dem Papier ein normaler Gewerbekunde sein. In der Risikobewertung eines Versorgers können jedoch Faktoren wie hohe Preissensibilität, häufige Betreiberwechsel, wirtschaftlicher Druck in der Gastronomie oder unvollständige Unterlagen eine Rolle spielen. Das bedeutet nicht, dass der Kunde schlecht ist. Es bedeutet aber, dass nicht jeder Anbieter gleich kalkuliert.

Ein anderes Beispiel betrifft energieintensive Mittelständler. Ein Metallverarbeiter mit 1,2 Mio. kWh Jahresverbrauch ist grundsätzlich attraktiv. Gleichzeitig können Lastspitzen, Schichtbetrieb, konjunkturelle Auftragsschwankungen und Bonitätsgrenzen dazu führen, dass einzelne Anbieter nur mit Sicherheitsaufschlägen oder eingeschränkten Laufzeiten kalkulieren. Für den Kunden ist der Verbrauch groß genug, um gute Konditionen zu erwarten. Für den Versorger ist er groß genug, um Risiko ernst zu nehmen.

Hinzu kommt die Konsolidierung im Markt. Übernahmen, Bestandsübertragungen und strategische Partnerschaften führen dazu, dass Kundenhistorien wichtiger werden. Wenn ein Kunde früher bei einem Anbieter oder einer übernommenen Gesellschaft beliefert wurde, kann das Auswirkungen auf Neukundenstatus, Provisionslogik oder Kalkulation haben. Das Beispiel Respect Energy und meistro aus der Mai-Ausgabe zeigt genau diese Richtung: Ein vermeintlich neuer Kunde kann aus Sicht eines Versorgers bereits ein Bestandskunde sein.
Im Juni wurde außerdem deutlicher, dass manche Energieversorger nicht jeden Auftrag wollen. Das ist für Makler wichtig zu verstehen. Ein Lieferant kann aus kaufmännischer Sicht bewusst auf Volumen verzichten, wenn Marge, Risiko oder Prozessaufwand nicht passen. Gerade in Zeiten politischer Eingriffe, schwankender Beschaffungskosten und unsicherer Wirtschaftslage ist Risikosteuerung oft wichtiger als Wachstum um jeden Preis.

Für Ausschreibungen bedeutet das: Die Zahl der Angebote ist nicht mehr automatisch ein Qualitätsmerkmal. Drei gut passende Angebote können wertvoller sein als zehn oberflächliche Angebote, von denen mehrere später zurückgezogen oder mit Einschränkungen versehen werden. Qualität entsteht durch passende Anbieterwahl, saubere Daten und realistische Kundenerwartung.
Ein praktischer Punkt wird dabei häufig unterschätzt: Angebotslaufzeiten. In nervösen Märkten verkürzen Energieversorger Bindefristen. Kunden, die mehrere Tage oder Wochen für eine Entscheidung brauchen, verlieren dadurch Chancen. Gleichzeitig wollen Unternehmen verständlicherweise vergleichen und intern abstimmen. Energiemakler müssen deshalb den Entscheidungsprozess frühzeitig vorbereiten: Wer entscheidet? Welche Unterlagen werden benötigt? Bis wann muss unterschrieben werden? Welche Preisgrenze ist akzeptabel?

Auch Bonitätsprüfung wird zu einem zentralen Thema. Sie betrifft nicht nur Unternehmen in wirtschaftlicher Schieflage. Schon fehlende Transparenz, neue Gesellschaften, Branchen mit höherem Ausfallrisiko oder unklare Eigentümerstrukturen können zu Rückfragen führen. Für Makler ist wichtig, Bonität nicht als unangenehmes Thema zu vermeiden, sondern sachlich einzuordnen: Energieversorger übernehmen ein Liefer- und Zahlungsrisiko. Je höher Verbrauch und Laufzeit, desto relevanter wird diese Prüfung.

Die neue Dynamik im Markt lässt sich deshalb in einem Satz zusammenfassen: Der Energievertrieb bewegt sich von "Wer bietet den günstigsten Preis?" zu "Welcher Anbieter passt zu welchem Kundenprofil?" Für Energiemakler ist das eine Chance, denn genau diese Zuordnung kann ein Kunde allein kaum leisten.

🔎 Was bedeutet das für Energiemakler?

Energiemakler sollten Ausschreibungen stärker wie ein Matching-Projekt betrachten. Nicht jeder Kunde passt zu jedem Versorger. Wichtig ist, vorab zu klären, welche Lieferanten für den jeweiligen Verbrauch, die Branche, die Laufzeit und die Bonität realistisch sind. Das reduziert Ablehnungen, spart Zeit und verbessert die Abschlussquote.

Gleichzeitig sollten Kunden frühzeitig verstehen, dass weniger Angebote nicht automatisch schlechtere Beratung bedeuten. In einem selektiveren Markt ist eine gezielte Ausschreibung oft professioneller als eine breite Streuung ohne Strategie.

➡️ Kurz & klar im Kundengespräch
"Heute entscheidet nicht nur der Preis. Entscheidend ist auch, welcher Energieversorger Ihr Kundenprofil überhaupt kalkulieren möchte und zu welchen Bedingungen."

💡 Unser Tipp

Bauen Sie vor jeder größeren Ausschreibung eine kurze Vorprüfung ein: Branche, Jahresverbrauch, Lastgang, Lieferbeginn, Kündigungsstatus, Bonität, bisheriger Lieferant und Entscheidungsfrist. Diese sieben Punkte entscheiden im aktuellen Markt häufig darüber, ob eine Ausschreibung schnell, langsam oder gar nicht erfolgreich wird.

Je klarer die Ausgangssituation, desto höher die Abschlussquote.

Plattform & Prozesse: Die nächste Ausbaustufe unserer Plattform nimmt Gestalt an

Im Juni lag der Schwerpunkt der Entwicklung nicht auf neuen Funktionen, sondern auf der intelligenten Vernetzung bestehender Prozesse. Unser Ziel bleibt unverändert: Energiemaklern möglichst viele administrative Tätigkeiten abzunehmen, damit mehr Zeit für Beratung, Vertrieb und Kundenbetreuung bleibt.

In den vergangenen Monaten hat sich immer wieder gezeigt, dass ein großer Teil der täglichen Arbeit nicht in der eigentlichen Ausschreibung steckt, sondern in der Beschaffung und Aufbereitung der benötigten Kundendaten. Rechnungen müssen angefordert, Lieferstellen zusammengetragen, Vertragslaufzeiten geprüft, Kündigungsfristen kontrolliert, Lastgänge beschafft und Ansprechpartner dokumentiert werden. Gerade bei größeren Gewerbe- und Industriekunden kostet dieser Aufwand häufig mehr Zeit als die spätere Ausschreibung selbst.
Genau hier setzt unsere neue Plattform an. Schritt für Schritt entsteht eine zentrale digitale Kundenakte, in der sämtliche relevanten Informationen dauerhaft gespeichert und intelligent miteinander verknüpft werden. Einmal erfasste Daten stehen künftig für alle weiteren Ausschreibungen, Vertragsverlängerungen und Optimierungen erneut zur Verfügung. Doppelte Datenerfassung und wiederkehrende Verwaltungsarbeit sollen damit weitgehend der Vergangenheit angehören.

Neben den klassischen Vertragsdaten werden künftig auch Lieferstellen, Verbrauchsdaten, Lastgänge, Ansprechpartner, Entscheidungsstrukturen und weitere kundenbezogene Informationen zentral verwaltet. Dadurch entsteht mit jedem Projekt eine immer wertvollere Datenbasis, von der sowohl Makler als auch Kunden langfristig profitieren.

Auch die Zusammenarbeit mit unserem Backoffice wird dadurch deutlich effizienter. Rückfragen können reduziert, Ausschreibungen schneller vorbereitet und fehlende Informationen frühzeitig erkannt werden. Gleichzeitig verbessert sich die Datenqualität kontinuierlich, weil alle Beteiligten auf denselben aktuellen Datenbestand zugreifen.

Unsere Plattform entwickelt sich damit immer stärker von einer reinen Ausschreibungssoftware zu einem digitalen Arbeitswerkzeug für den gesamten Vertriebsprozess. Jeder neue Kunde erweitert die Datenbasis, jeder abgeschlossene Auftrag verbessert die zukünftigen Arbeitsabläufe und jede gepflegte Information spart bei späteren Projekten wertvolle Zeit.

➡️ Unser Anspruch bleibt dabei unverändert: weniger Administration, schnellere Prozesse, höhere Datenqualität und eine Software, die Energiemakler im Tagesgeschäft aktiv unterstützt.

🔎 Was das für Energiemakler bedeutet

Mit jeder vollständig angelegten Kundenakte wächst nicht nur die Qualität der eigenen Daten, sondern auch die Geschwindigkeit zukünftiger Ausschreibungen. Informationen müssen nicht immer wieder neu angefordert oder zusammengesucht werden. Stattdessen stehen alle relevanten Kundendaten zentral zur Verfügung und können für Vertragsverlängerungen, Optimierungen oder neue Ausschreibungen unmittelbar genutzt werden. Das spart Zeit, reduziert Fehlerquellen und schafft einen echten Wettbewerbsvorteil.

➡️ Kurz & klar im Kundengespräch: 
"Wir erfassen Ihre Unternehmensdaten nur einmal vollständig. Künftig können wir dadurch deutlich schneller auf Marktveränderungen reagieren und neue Angebote erstellen, ohne jedes Mal sämtliche Unterlagen erneut anfordern zu müssen."

💡 Unser Tipp

Mit dem neuen enermakler-CRM wird dieser manuelle Aufwand künftig weitgehend entfallen. Rechnungen, Lieferstellen, Vertragslaufzeiten, Kündigungsfristen, Jahresverbräuche, Lastgänge sowie Ansprechpartner und Entscheidungsstrukturen werden zentral digital erfasst und stehen dauerhaft für Ausschreibungen, Angebotsvergleiche und Vertragswechsel zur Verfügung. Gerade bei größeren Kunden spart das nicht nur im Ernstfall mehrere Tage Arbeit, sondern schafft eine strukturierte Datenbasis für eine langfristige und professionelle Kundenbetreuung.

Netzentgelte & Regulierung – Freileitung, Erdkabel, Bundeszuschuss und der neue Realismus bei den Systemkosten

Netzentgelte waren im Juni eines der wichtigsten Themen für die Energiekostenberatung. Der Grund ist einfach: Die Stromrechnung wird zunehmend von Kostenbestandteilen geprägt, die nicht direkt aus dem Börsenpreis entstehen. Der Ausbau der Übertragungs- und Verteilnetze, Redispatch, Anschluss neuer Erzeuger und Verbraucher, Elektromobilität, Wärmepumpen, Speicher und die Digitalisierung der Netze verursachen hohe Investitionen. Diese Kosten werden über Netzentgelte finanziert - und damit über die Stromrechnung der Kunden.
Die Bundesregierung will die Übertragungsnetzentgelte 2026 mit einem Zuschuss von 6,5 Milliarden Euro dämpfen. Das ist grundsätzlich eine Entlastung. Gleichzeitig zeigt die Debatte aber, wie groß der Kostendruck im System geworden ist. Ein Zuschuss senkt die Belastung in einem Jahr, löst aber nicht automatisch die strukturelle Frage, wie Netzausbau langfristig finanziert werden soll.

Für Kunden ist besonders wichtig: Netzentgelte wirken regional unterschiedlich. Ein Unternehmen in einer Region mit hohem Netzausbau, vielen erneuerbaren Einspeisern oder besonderen Netzanforderungen kann anders belastet werden als ein Unternehmen in einem städtischen Netzgebiet mit hoher Verbrauchsdichte. Deshalb ist eine bundesweite Durchschnittszahl im Kundengespräch oft wenig hilfreich. Entscheidend ist das konkrete Netzgebiet.

Genau hier setzt die Debatte um Freileitung und Erdkabel an. Mit der Änderung des Bundesbedarfsplangesetzes soll der Netzausbau schneller und kosteneffizienter werden. Der politische Kern: Neue Höchstspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen sollen wieder stärker als Freileitungen geplant werden können, wenn dies wirtschaftlich und zeitlich sinnvoll ist. Erdkabel bleiben technisch möglich, sind aber häufig teurer, aufwendiger in der Planung und langsamer im Bau.

Für die Energiewende ist das eine Richtungsentscheidung. In den vergangenen Jahren standen Akzeptanz und Landschaftsschutz stark im Vordergrund. Erdkabel galten oft als politisch leichter vermittelbar. Jetzt rückt die Kostenseite stärker in den Fokus. Wenn Netzausbau zu teuer oder zu langsam wird, zahlen am Ende alle Stromkunden mit - entweder über höhere Netzentgelte, über Engpassmanagement oder über verzögerte Integration erneuerbarer Energien.

Ein praktisches Beispiel: Windstrom aus dem Norden kann nur dann günstigen Strom im Süden entlastend wirken lassen, wenn ausreichend Leitungskapazität vorhanden ist. Fehlen Leitungen, müssen Windanlagen abgeregelt und an anderer Stelle konventionelle Kraftwerke hochgefahren werden. Diese Engpasskosten verschwinden nicht. Sie landen mittelbar wieder im System und damit bei den Netznutzern.
Für Industriekunden wird daraus ein Standortthema. Die Frage lautet nicht mehr nur: Wie günstig ist der Arbeitspreis? Sondern: Wie sicher, leistungsfähig und bezahlbar ist der Netzanschluss? Unternehmen mit Erweiterungsplänen, Elektrowärme, Ladeinfrastruktur, Wärmepumpen, Elektrolyse, Kälteanlagen oder neuen Produktionslinien brauchen nicht nur Energie, sondern Netzkapazität. Wenn Netzanschluss und Leistungspreise zum Engpass werden, beeinflusst das Investitionsentscheidungen.

Auch Batteriespeicher verändern die Netzentgeltdebatte. Einerseits können Speicher Netze entlasten, wenn sie Erzeugungsspitzen aufnehmen und Verbrauchsspitzen glätten. Andererseits können sie zusätzliche Netzanforderungen erzeugen, wenn sie rein nach Handelslogik betrieben werden und dadurch neue Lastspitzen entstehen. Deshalb wird die Regulierung von Speichern, Flexibilität und Netzentgelten in den kommenden Jahren deutlich wichtiger.

Dynamische Netzentgelte sind ebenfalls ein Thema, das Energiemakler beobachten sollten. Wenn Netznutzung künftig stärker zeit- oder lastabhängig bepreist wird, wird die Optimierung des Verbrauchsprofils für Unternehmen wichtiger. Dann reicht es nicht mehr, nur den Jahresverbrauch zu kennen. Entscheidend wird, wann ein Unternehmen Strom verbraucht, welche Lastspitzen entstehen und ob Verschiebungspotenzial vorhanden ist.

Ein weiteres Beispiel ist der Messstellenbetrieb. Smart Meter und moderne Messeinrichtungen sind Voraussetzung für variable Tarife, Energy Sharing, Flexibilitätsvermarktung und dynamischere Netzentgelte. Für viele Gewerbekunden ist das Thema heute noch abstrakt. In der Praxis wird es aber zur Grundlage für neue Geschäftsmodelle und Kostenoptimierung. Wer Verbrauch nicht sauber misst, kann ihn auch nicht flexibel steuern.

Für die Kundenberatung bedeutet das: Netzentgelte dürfen nicht mehr als kleiner Kostenblock am Ende der Rechnung behandelt werden. Sie sind ein strategisches Thema. Je stärker die Energiewende in Infrastruktur übersetzt wird, desto mehr verschiebt sich der Fokus von reiner Beschaffung zu Systemkosten.

📌 Echte Beispiele für das Kundengespräch
👉 Bäckerei mit Backöfen am frühen Morgen: Nicht nur der Jahresverbrauch zählt, sondern die Leistungsspitzen durch gleichzeitigen Betrieb mehrerer Anlagen.
👉 Metallbetrieb mit Erweiterung: Ein günstiger Stromliefervertrag hilft wenig, wenn die benötigte Netzanschlussleistung nicht rechtzeitig verfügbar ist.
👉 Logistikunternehmen mit Ladeinfrastruktur: Die Stromkosten hängen künftig stärker davon ab, ob Ladevorgänge gesteuert und Spitzen vermieden werden können.
👉 Hotel mit Wärmepumpe, Küche und Wellnessbereich: Energieeinkauf, Leistungspreise und Messkonzept müssen zusammen betrachtet werden.

➡️ Kurz & klar im Kundengespräch

"Der Energiepreis wird am Markt gemacht. Die Stromrechnung entsteht aber aus Energiepreis, Netzentgelten, Leistungspreisen, Messkosten und staatlichen Bestandteilen gemeinsam."

🔎 Was das für Energiemakler bedeutet

➡️ Energiemakler sollten Netzentgelte aktiv in die Beratung aufnehmen. Viele Kunden sehen nur den Arbeitspreis und vergleichen Angebote auf Cent pro Kilowattstunde. Wer die Netzentgelte erklärt, erweitert die Beratung vom Tarifvergleich zur Energiekostenanalyse. Das schafft fachliche Autorität und verhindert falsche Erwartungen.
Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen kurzfristiger Entlastung und langfristiger Kostenstruktur. Der Bundeszuschuss kann 2026 entlasten. Der Bedarf an Netzausbau, Digitalisierung und Flexibilität bleibt aber bestehen. Kunden sollten deshalb nicht davon ausgehen, dass Netzentgelte dauerhaft nur sinken.

💡 Unser Tipp

Sprechen Sie bei größeren Kunden nicht nur über den nächsten Liefervertrag. Fragen Sie auch nach geplanten Investitionen: neue Maschinen, Ladepunkte, Wärmepumpen, PV, Speicher oder Erweiterungen. Genau dort entstehen die künftigen Netz- und Leistungskosten.

🧭 Europa-Radar: Industriestrompreis, Energy Sharing, Clean Industrial Deal und die neue europäische Kostenlogik

Auf europäischer Ebene stand im Juni vor allem die Frage im Mittelpunkt, wie die Industrie trotz hoher Energie- und Transformationskosten wettbewerbsfähig bleiben kann. Die EU-Kommission hat Deutschlands Plan für einen Industriestrompreis genehmigt. Das Programm umfasst 3,8 Milliarden Euro, läuft rückwirkend ab 1. Januar 2026 bis Ende 2028 und soll energieintensive Unternehmen entlasten, wenn Stromkosten besonders hoch sind.

Wichtig ist jedoch: Der Industriestrompreis ist keine allgemeine Strompreissenkung. Er ist ein gezieltes Instrument für bestimmte energieintensive Branchen mit hohem internationalen Wettbewerbsdruck. Dazu zählen vor allem Bereiche wie Chemie, Metall, Zement, Glas oder andere stromintensive Industrien. Für viele klassische Gewerbekunden, kleine Dienstleister, Gastronomie, Handel oder kleinere Produktionsbetriebe wird diese Entlastung nicht automatisch greifen.
Die Bedingungen sind ebenfalls relevant. Unternehmen müssen Hilfen beantragen, der tatsächliche Verbrauch und die durchschnittlichen Großhandelspreise spielen eine Rolle, und ein Teil der Unterstützung soll in Effizienz oder Modernisierung fließen. Außerdem darf der fossile Energieeinsatz nicht steigen. Damit wird deutlich: Europa will nicht einfach billigen Strom verteilen, sondern Wettbewerbsfähigkeit an Transformation koppeln.

Für Energiemakler ist das ein wichtiger Punkt im Kundengespräch. Viele Mittelständler hören "Industriestrompreis" und fragen, ob sie profitieren. Die Antwort lautet häufig: möglicherweise, aber nicht automatisch. Entscheidend sind Branche, Verbrauch, Stromkostenintensität, Fördervoraussetzungen und Investitionsbereitschaft. Ein Kunde mit hohem Verbrauch ist nicht automatisch anspruchsberechtigt. Ein Kunde mit internationalem Wettbewerbsdruck kann dagegen prüfenswert sein.
Der Industriestrompreis passt in den europäischen Clean Industrial Deal. Die EU versucht, Klimapolitik, Industriepolitik und Versorgungssicherheit stärker zusammenzuführen. Das Ziel ist nicht, Energie dauerhaft künstlich billig zu machen. Das Ziel ist, besonders betroffene Industrien durch die Transformationsphase zu bringen und gleichzeitig Investitionen in effizientere, klimafreundlichere Anlagen auszulösen.

Parallel wird Energy Sharing ab Juni 2026 in Deutschland praktisch relevant. Mit dem neuen Teilversorgungsmodell können bestimmte Betreiber- und Verbrauchergruppen Strom aus erneuerbaren Anlagen gemeinschaftlich nutzen, wenn Erzeugung und Verbrauch zeitlich zusammenpassen. Das Modell startet zunächst innerhalb eines Bilanzierungsgebiets eines Verteilnetzbetreibers und soll später auf angrenzende Gebiete ausgeweitet werden.
Für Gewerbekunden ist Energy Sharing vor allem dann interessant, wenn mehrere Standorte, Nachbarschaften, Gewerbeparks, Kommunen oder KMU-Strukturen zusammen gedacht werden. Ein Beispiel: Eine PV-Anlage auf einer Produktionshalle erzeugt tagsüber mehr Strom, als der Betreiber selbst verbraucht. In einem Energy-Sharing-Modell könnten andere teilnehmende Letztverbraucher in räumlichem Zusammenhang zeitgleich erzeugten Strom nutzen. Das ersetzt nicht automatisch die vollständige Stromversorgung, kann aber ein Baustein für lokale Energiekonzepte werden.
Wichtig ist: Energy Sharing ist kein einfacher Stromverkauf unter Nachbarn. Es erfordert Messung, Bilanzierung, Verträge, Reststromversorgung und eine saubere regulatorische Einordnung. Gerade deshalb wird es für Energiemakler langfristig relevant. Kunden werden fragen, ob sich PV, Speicher, Mieterstrom, Energy Sharing oder klassischer Liefervertrag besser eignen. Die Antwort hängt vom Verbrauchsprofil, der Erzeugung, den Messkonzepten und den Beteiligten ab.

Europa diskutiert außerdem stärker über die richtige Belastung von Strom und fossilen Energieträgern. Wenn Elektrifizierung politisch gewollt ist, muss Strom im Verhältnis zu Gas, Öl und Kohle wettbewerbsfähiger werden. Gleichzeitig finanzieren viele Staaten weiterhin erhebliche Einnahmen über Energieabgaben. Daraus entsteht ein Zielkonflikt: Klimapolitik will Strom attraktiver machen, Fiskalpolitik braucht Einnahmen, und Unternehmen brauchen Planungssicherheit.

Ein weiteres europäisches Thema ist Versorgungssicherheit. Der Iran-Konflikt hat gezeigt, wie eng Energie, Schifffahrt, Düngemittel, LNG und Industrieproduktion miteinander verbunden sind. Europa ist nicht mehr so abhängig von russischem Gas wie vor 2022, aber weiterhin abhängig von globalen Märkten, LNG-Infrastruktur, Handelswegen und Rohstoffen. Diese Abhängigkeit verschiebt sich: weniger Pipelinegas aus Russland, mehr globale LNG-Konkurrenz, mehr Rohstoffbedarf für Speicher, Netze, PV, Wind und Digitalisierung.
Auch chinesische Technologieanbieter im Bereich Wind, PV, Speicher und Netzinfrastruktur werden in Europa kontrovers diskutiert. Einerseits können günstige Komponenten den Ausbau beschleunigen. Andererseits entstehen neue Abhängigkeiten bei kritischer Infrastruktur. Für Kunden wird diese Debatte indirekt relevant, weil sie Einfluss auf Projektkosten, Lieferzeiten, Förderbedingungen und politische Rahmenbedingungen haben kann.

Der Europa-Radar im Juni zeigt deshalb eine klare Richtung: Energiepolitik wird Industriepolitik. Strompreise, Netzentgelte, Förderprogramme, Energy Sharing, Rohstoffe und Versorgungssicherheit werden gemeinsam gedacht. Für Energiemakler heißt das: Wer Europa versteht, kann lokale Kundengespräche besser führen.

📌 Echte Beispiele für das Kundengespräch
👉 Chemieunternehmen mit hohem Stromverbrauch: Prüfung, ob Industriestrompreis oder Strompreiskompensation relevant sein könnten - aber nur mit Blick auf Branche, Verbrauch und Voraussetzungen.
👉 Gewerbepark mit PV-Dächern: Energy Sharing kann mittelfristig ein Baustein sein, ersetzt aber nicht die saubere Reststromversorgung und Messkonzeption.
👉 Mittelständler mit Gasprozessen: Wenn Europa fossile Energien stärker belastet, sollte früh geprüft werden, welche Prozesse elektrifizierbar sind und welche nicht.
👉 Kunde mit Nachhaltigkeitsziel: Nicht nur Herkunftsnachweise prüfen, sondern auch PPA, Eigenerzeugung, Speicher und Lastprofil gemeinsam bewerten.

➡️ Kurz & klar im Kundengespräch:
"Europa versucht nicht, Energie einfach billig zu machen. Europa versucht, Energie planbarer zu machen, Industrie zu halten und Investitionen in Effizienz und Transformation auszulösen."

🔎 Was bedeutet das für Energiemakler?

Energiemakler sollten europäische Themen nicht als zu weit entfernt betrachten. Viele Entscheidungen aus Brüssel wirken später direkt in deutsche Strompreise, Förderbedingungen, Berichtspflichten und Lieferantenstrategien hinein. Gerade der Industriestrompreis zeigt, dass politische Eingriffe sehr zielgenau werden. Das erhöht den Beratungsbedarf, weil Kunden wissen müssen, ob sie betroffen sind oder nicht.
Energy Sharing eröffnet perspektivisch neue Gesprächsanlässe mit KMU, Kommunen, Gewerbeparks und Unternehmen mit PV-Flächen. Gleichzeitig muss hier seriös beraten werden: Nicht jedes lokale Energiekonzept ist wirtschaftlich, und nicht jedes Modell passt regulatorisch.

💡 Unser Tipp

Nutzen Sie den Industriestrompreis und Energy Sharing als Einstieg in strategische Gespräche. Fragen Sie größere Kunden: Welche Stromkostenquote haben Sie? Gibt es Investitionspläne? Gibt es PV-Flächen? Sind mehrere Standorte beteiligt? So wird aus einer Preisfrage eine echte Energiekostenstrategie.

Praxis: Kundenfragen & Einwände im Mai

Wenn Entlastung angekündigt wird, aber Kunden trotzdem unsicher bleiben
Die häufigsten Kundenfragen im Juni drehen sich um Widersprüche. Kunden hören von sinkenden Netzentgelten, Industriestrompreis, Energy Sharing und einer Beruhigung am Gasmarkt. Gleichzeitig erhalten sie Angebote, die nicht so günstig sind wie erwartet, oder sie bekommen weniger Angebote als früher. Genau hier muss Beratung Klarheit schaffen.

1. "Wenn die Netzentgelte sinken, warum ist mein Angebot nicht deutlich günstiger?"
➡️ Kurz & klar im Kundengespräch: "Weil die Stromrechnung aus mehreren Bestandteilen besteht. Sinkende Netzentgelte können entlasten, aber Beschaffungspreise, Risikoaufschläge, Laufzeit, Lastprofil, Messkosten und staatliche Bestandteile wirken ebenfalls auf den Endpreis. Entscheidend ist die Gesamtrechnung im konkreten Netzgebiet."

2. "Gilt der Industriestrompreis auch für mein Unternehmen?"
➡️ Kurz & klar im Kundengespräch: "Nicht automatisch. Der Industriestrompreis ist gezielt für bestimmte energieintensive Branchen mit hohem Wettbewerbsdruck gedacht. Ob ein Unternehmen profitieren kann, hängt von Branche, Verbrauch, Stromkostenanteil und Fördervoraussetzungen ab."

3. "Warum bekomme ich weniger Angebote als früher?"
➡️ Kurz & klar im Kundengespräch: "Viele Energieversorger prüfen Kunden genauer. Verbrauch, Branche, Bonität, Lieferbeginn, Lastgang und Vertragslaufzeit spielen stärker in die Entscheidung hinein. Weniger Angebote können deshalb auch bedeuten, dass gezielter und realistischer ausgeschrieben wurde."

4. "Sollte ich wegen der politischen Entlastungen lieber warten?"
Antwort: "Warten kann sinnvoll sein, ist aber immer eine Marktentscheidung mit Risiko. Politische Entlastungen wirken nicht bei jedem Kunden gleich. Gleichzeitig können Beschaffungspreise wieder steigen. Wichtig ist, Angebote nicht isoliert, sondern im Verhältnis zur Planungssicherheit des Unternehmens zu bewerten."

5. "Kann ich mit PV und Energy Sharing meine Stromkosten deutlich senken?"
➡️ Kurz & klar im Kundengespräch: "Möglicherweise, aber nicht pauschal. Entscheidend sind Erzeugungsprofil, Verbrauchszeiten, Messkonzept, Beteiligte, Reststromversorgung und Investitionskosten. Energy Sharing kann ein Baustein sein, ersetzt aber keine saubere Energiekostenanalyse."

6. "Warum fragt der Versorger plötzlich nach so vielen Unterlagen?"
➡️ Kurz & klar im Kundengespräch: "Weil Energieversorger heute stärker risiko- und datenbasiert kalkulieren. Vollständige Unterlagen helfen, ein Angebot schneller und belastbarer zu erstellen. Fehlende Daten führen oft zu Rückfragen, Verzögerungen oder Sicherheitsaufschlägen."

🔎 Was das für Energiemakler bedeutet

👉 Gerade in unsicheren Marktphasen suchen Kunden weniger nach dem günstigsten Preis und stärker nach einer verlässlichen Einschätzung. Wer Entwicklungen verständlich erklärt, Fragen souverän beantwortet und Orientierung bietet, schafft Vertrauen – und Vertrauen bleibt der wichtigste Erfolgsfaktor im Vertrieb.

💡 Unser Tipp

Nutzen Sie Kundenfragen nicht als Einwand, sondern als Gesprächseinstieg. Gerade in volatilen Marktphasen entsteht Vertrauen nicht durch den günstigsten Preis, sondern durch verständliche Antworten. Kunden möchten wissen, warum sich Märkte bewegen, welche Risiken bestehen und welche Entscheidung für ihr Unternehmen sinnvoll ist. Wer diese Fragen kompetent beantwortet, positioniert sich als Berater statt als Tarifvermittler.

👉 Kurz & klar im Kundengespräch
„Nicht jeder Energieversorger bewertet den Markt gleich. Deshalb lohnt sich der professionelle Vergleich heute mehr denn je.“


Inside enermakler: Makler Mindset – Ruhe, Klarheit und Beratungsstärke in einem politisierten Energiemarkten

Der Juni zeigt sehr deutlich: Der Energiemarkt wird politischer, technischer und erklärungsbedürftiger. Für Makler ist das keine Bedrohung, sondern eine Chance. Denn je komplexer der Markt wird, desto wertvoller wird die Fähigkeit, Zusammenhänge verständlich zu machen.

Kunden brauchen keine Panik. Sie brauchen Klarheit. Sie brauchen jemanden, der nicht jede Schlagzeile in ein Verkaufsargument verwandelt, sondern sauber erklärt, was wirklich relevant ist. Genau darin liegt der Unterschied zwischen Tarifvermittlung und Energieberatung.

Ein starker Energiemakler erkennt, dass nicht jede Entlastung sofort beim Kunden ankommt, nicht jede Ablehnung ein Problem des Kunden ist und nicht jeder günstige Preis automatisch die beste Entscheidung bedeutet. Beratung heißt, Chancen und Risiken gemeinsam zu bewerten.

Unser Anspruch bei enermakler bleibt deshalb: Wir wollen Makler nicht nur mit Angeboten unterstützen, sondern mit Marktverständnis. Wer versteht, warum sich der Markt verändert, kann besser beraten.
Wer besser berät, baut Vertrauen auf. Und wer Vertrauen aufbaut, gewinnt langfristig die besseren Kundenbeziehungen.


Blick nach vorn: 2026 

➡️Im Juli werden voraussichtlich mehrere Themen weiter an Bedeutung gewinnen: die konkrete Umsetzung der Netzentgeltentlastung, die weitere Diskussion um Freileitung und Erdkabel, die Entwicklung der Gas- und LNG-Märkte nach der teilweisen Beruhigung im Nahen Osten, erste praktische Fragen rund um Energy Sharing sowie die Frage, wie Energieversorger ihre Annahmerichtlinien im zweiten Halbjahr ausrichten.

Für Energiemakler wird der Juli deshalb ein wichtiger Monat, um Kunden aktiv anzusprechen. Viele Unternehmen werden mit widersprüchlichen Erwartungen in die zweite Jahreshälfte gehen: Sie erwarten Entlastung, spüren aber weiterhin Unsicherheit. Genau hier entsteht Beratungsbedarf.



Quellen & Recherchegrundlage
• Bundestag / Bundesbedarfsplangesetz: Beratungen zur Änderung des BBPlG und zur Beschleunigung des Netzausbaus, Juni 2026.
• Bundesregierung / Bundeswirtschaftsministerium: Zuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten 2026 in Höhe von 6,5 Milliarden Euro und Diskussion zur Entlastung der Strombezugskosten.
• EU-Kommission / Medienberichte: Genehmigung eines deutschen Förderprogramms für den Industriestrompreis in Höhe von 3,8 Milliarden Euro, Laufzeit 2026 bis 2028.
• Reuters, 26. Juni 2026: Wiederaufnahme von Düngemittel- und Vorprodukttransporten durch die Straße von Hormus nach dem Interimsabkommen, aber weiter eingeschränkte Normalisierung.
• Energy Sharing / § 42c EnWG: Beginn des deutschen Teilversorgungsmodells ab Juni 2026 innerhalb eines Bilanzierungsgebiets eines Verteilnetzbetreibers.