Vorwort
Liebe Energiemaklerinnen und Energiemakler,
Der Markt wirkt aktuell auf den ersten Blick ruhig. Es gibt keine extremen Preissprünge und keine offensichtliche Dynamik. Genau das ist trügerisch.
Im Hintergrund hat sich die Risikobewertung deutlich verändert. Energieversorger sichern ihre Beschaffung stärker ab, kalkulieren vorsichtiger und prüfen genauer.
Das zeigt sich im Alltag: Ablehnungen nehmen zu, Prozesse werden langsamer und Entscheidungen selektiver.
Das zeigt sich im Alltag: Ablehnungen nehmen zu, Prozesse werden langsamer und Entscheidungen selektiver.
Gleichzeitig verändert sich die Struktur des Marktes. Preise entstehen nicht mehr ausschließlich an der Börse. Risikozuschläge, Netzentgelte und politische Eingriffe gewinnen an Einfluss und prägen die Preisbildung zunehmend.
Für Sie als Energiemakler bedeutet das vor allem eines: Einordnung wird entscheidend. Der beste Preis allein reicht nicht mehr. Entscheidend ist, ob ein Angebot unter den aktuellen Bedingungen stabil ist, angenommen wird und sauber umgesetzt werden kann.
In dieser Ausgabe zeigen wir, was sich im April konkret bewegt hat, worauf Sie achten müssen und wie Sie Ihre Kunden sicher durch den aktuellen Markt führen.

Alexander Schießl
Inhalte
Branchen-News: Marktupdate Strom & Gas

Der Energiemarkt zeigt sich im April auf den ersten Blick stabil. Ein Blick auf die aktuellen Termin- und Spotmarktpreise bestätigt dieses Bild: Strom (DE Jahr 2027) bewegt sich seit Anfang März auf einem stabilen Niveau im Bereich um rund 90–100 €/MWh, während Gas im Day-Ahead-Markt ebenfalls seitwärts tendiert und sich im Korridor zwischen etwa 50–60 €/MWh eingependelt hat.
Diese Entwicklung signalisiert zunächst Ruhe im Markt. Auffällig ist jedoch, dass sich die Preise trotz kurzfristiger Schwankungen nicht mehr dynamisch nach unten bewegen, sondern auf einem stabilisierten Niveau verharren. Genau hier zeigt sich die aktuelle Marktveränderung.
Im Hintergrund wirken weiterhin geopolitische Einflüsse auf die Beschaffung. Gestiegene Gaspreise führen dazu, dass sich die Einsatzreihenfolge im Strommarkt verschiebt. Gasbasierte Kraftwerke setzen häufiger den Preis, wodurch sich das Strompreisniveau stabilisiert bzw. gestützt wird.
Parallel dazu zeigt sich auch im Terminmarkt ein klares Bild: Während erneuerbare Energien den Spotmarkt zeitweise entlasten, bleiben die Terminpreise stabil. Ursache sind eingepreiste Risikoprämien, die durch Unsicherheiten in der Beschaffung und geopolitische Entwicklungen gestützt werden.
Der Markt folgt damit nicht mehr ausschließlich kurzfristigen Bewegungen, sondern wird zunehmend durch Absicherung und Risikobewertung geprägt.
👉Der entscheidende Punkt im aktuellen Markt ist daher:
Stabile oder leicht schwächere Börsenpreise führen nicht automatisch zu sinkenden Endkundenpreisen.
🔎 Was bedeutet das für Energiemakler?
Ein stabiler Markt bedeutet nicht automatisch günstige Angebote. Entscheidend ist, wie Energieversorger Risiken bewerten und in ihre Preise einrechnen.
➡️ Kurz & klar im Kundengespräch:
➡️ Kurz & klar im Kundengespräch:
„Die Börse ist stabil, aber die Preise bleiben durch Absicherung und Risiken auf Niveau.“
💡 Unser Tipp
"Ordnen Sie Marktbewegungen aktiv ein. Kunden sehen stabile Preise, Sie erklären, warum diese Stabilität nicht automatisch zu besseren Konditionen führt."
Marktbewegungen & neue Dynamiken: Ablehnungen im Gewerbebereich

Im April zeigt sich im Gewerbegeschäft eine Entwicklung, die im Markt immer deutlicher wird: Verträge gehen nicht mehr automatisch durch. Energieversorger prüfen deutlich strenger und entscheiden selektiver als noch vor wenigen Monaten.
Diese Veränderung ist kein Einzelfall, sondern wird auch von Marktteilnehmern bestätigt.
So spricht der Energieversorger TEAG aktuell von „Marktverwerfungen im Neukundengeschäft“ und einem geschärften Krisenbewusstsein. Hintergrund ist eine veränderte Risikoeinschätzung, die sich direkt auf die Annahmepolitik auswirkt.
So spricht der Energieversorger TEAG aktuell von „Marktverwerfungen im Neukundengeschäft“ und einem geschärften Krisenbewusstsein. Hintergrund ist eine veränderte Risikoeinschätzung, die sich direkt auf die Annahmepolitik auswirkt.
Konkret bedeutet das für den Vertrieb:
👉Bonitätsprüfungen werden konsequenter durchgeführt
👉Unklare Firmierungen oder abweichende Daten führen schneller zur Ablehnung
👉Branchen mit erhöhtem Risiko, insbesondere Gastronomie, stehen stärker im Fokus
👉Angebote werden vorsichtiger kalkuliert und nicht mehr pauschal angenommen
Im Ergebnis führt das dazu, dass selbst sauber kalkulierte Angebote nicht automatisch zum Abschluss führen.
Der Preis allein reicht nicht mehr aus, wenn das Gesamtbild aus Sicht des Energieversorgers nicht passt.
Der Preis allein reicht nicht mehr aus, wenn das Gesamtbild aus Sicht des Energieversorgers nicht passt.
Diese Entwicklung ist eine direkte Folge der aktuellen Marktsituation: steigende Risikokosten, unsichere Beschaffung und ein insgesamt vorsichtigeres Verhalten auf Seiten der Energieversorger.
🔎 Was bedeutet das für Energiemakler?
Die Qualität der Anfrage entscheidet über den Abschluss. Saubere Daten, klare Firmierung und ein realistisches Bild der Bonität sind heute wichtiger als der letzte Preis.
➡️ Kurz & klar im Kundengespräch
„Aktuell prüfen Energieversorger deutlich strenger, entscheidend ist nicht nur der Preis, sondern dass alles sauber zusammenpasst.“asst.“
Plattform & Prozesse: Mehr Struktur in der Abrechnung – mehr Klarheit und Verlässlichkeit im Ablauf

Mit der zunehmenden Komplexität im Energiemarkt verändert sich nicht nur die Preisbildung, sondern auch die Anforderungen an die Abwicklung. Genau hier setzt der Plattformansatz an.
Was bedeutet „Plattform“ konkret?
Es geht darum, den gesamten Prozess, vom Abschluss über die Verarbeitung bis zur Abrechnung, strukturiert und nachvollziehbar abzubilden. Ziel ist es, nicht nur Verträge zu vermitteln, sondern diese auch sauber durch den gesamten Ablauf zu führen.
Hintergrund dieser Entwicklung ist klar:
In der Praxis entstehen viele Herausforderungen nicht im Vertrieb selbst, sondern in den nachgelagerten Prozessen. Unterschiedliche Datenstände, manuelle Abstimmungen und fehlende Transparenz führen häufig zu Verzögerungen und Unsicherheit – insbesondere bei der Abrechnung.
Genau hier wird angesetzt. Prozesse werden schrittweise standardisiert, Abläufe klarer strukturiert und Schnittstellen sauberer definiert. Ziel ist eine durchgängige Linie vom Vertragsabschluss bis zur finalen Auszahlung.
Für Makler bedeutet das vor allem eines: mehr Verlässlichkeit im Alltag.
👉Abläufe werden nachvollziehbarer
👉Rückfragen reduzieren sich
👉Fehlerquellen werden minimiert
👉Abrechnungen werden klarer zuordenbar
Wichtig ist dabei: Diese Entwicklung erfolgt bewusst Schritt für Schritt. Es geht nicht um einen einmaligen Umbruch, sondern um eine kontinuierliche Verbesserung der Prozesse.
➡️ Mit jeder Weiterentwicklung entsteht mehr Transparenz – und damit auch mehr Sicherheit für alle Beteiligten.
🔎 Was das für Energiemakler bedeutet
Sie arbeiten nicht mehr nur mit einzelnen Abschlüssen, sondern in einem System, das darauf ausgelegt ist, Abschlüsse sauber umzusetzen. Das reduziert Reibung und schafft Vertrauen, intern wie extern.
➡️ Kurz & klar im Kundengespräch:
„Der Vertrag wird nicht nur abgeschlossen – er wird sauber durch den gesamten Prozess geführt.“
Netzentgelte & Regulierung – Strukturkosten im Fokus – warum Netzentgelte den Preis zunehmend bestimmen

Ein immer größerer Teil des Strompreises entsteht nicht mehr im Energieeinkauf, sondern in den sogenannten Strukturkosten. Dazu zählen insbesondere Netzentgelte, Umlagen und regulatorische Bestandteile. Genau hier zeigt sich aktuell eine der wichtigsten Entwicklungen im Markt.
Die Bundesnetzagentur arbeitet konkret an einer Weiterentwicklung der Netzentgeltsystematik. Im Fokus stehen dabei sogenannte dynamische Netzentgelte, die stärker an der tatsächlichen Netzauslastung ausgerichtet werden sollen. Ziel ist es, Systemkosten langfristig zu senken und die Nutzung der Netze effizienter zu steuern.
In aktuellen Marktgesprächen wird deutlich, dass diese Veränderungen nicht mehr nur theoretisch sind, sondern zunehmend konkret werden. Die Diskussionen rund um den AgNes-Prozess zeigen, dass die Ausgestaltung der Netzentgelte aktiv weiterentwickelt wird. Gleichzeitig wird geprüft, inwieweit bestimmte Bereiche – etwa Speicherlösungen – künftig anders behandelt werden.
Für den Markt bedeutet das: Netzentgelte werden nicht nur weiter an Bedeutung gewinnen, sondern sich auch strukturell verändern.
Schon heute zeigt sich die Wirkung deutlich. Selbst wenn sich der Energiepreis stabil entwickelt, steigt der Anteil der Netzentgelte am Gesamtpreis weiter an. Diese Entwicklung wirkt direkt auf den Endkundenpreis und ist einer der Hauptgründe, warum sich Preisrückgänge am Großhandelsmarkt oft nicht im gleichen Maß beim Kunden widerspiegeln.
Der entscheidende Punkt ist daher:
Strukturkosten entwickeln sich zunehmend unabhängig vom Energiepreis und bestimmen einen immer größeren Teil der Gesamtkosten.
➡️ Das stärkt den Maklernutzen:
Wer Preise einordnet, führt den Kunden – wer nur vergleicht, bleibt austauschbar.
🔎 Was das für Energiemakler bedeutet
➡️ Preisargumentation muss erweitert werden
Der Strompreis lässt sich nicht mehr allein über den Energieanteil erklären. Netzentgelte und regulatorische Kosten werden zum festen Bestandteil der Argumentation im Kundengespräch.
🧭 Europa-Radar: Brüssel & Energie 2026 – CfDs und zunehmende Marktsteuerung

Auf europäischer Ebene wird die zukünftige Ausgestaltung des Energiemarktes zunehmend konkret. Mit der Strommarktreform hat die EU einen klaren Rahmen gesetzt, der in den kommenden Jahren Schritt für Schritt umgesetzt wird.
Ein zentrales Instrument dabei sind sogenannte Contracts for Difference (CfDs). Diese sollen insbesondere bei neuen Erzeugungsanlagen – vor allem im Bereich der erneuerbaren Energien, eingesetzt werden. Ziel ist es, Investitionen planbarer zu machen und extreme Preisschwankungen zu begrenzen.
Die Funktionsweise ist klar definiert:
Für eine Anlage wird ein Referenzpreis festgelegt. Liegt der Marktpreis darunter, erhält der Betreiber einen Ausgleich. Liegt er darüber, werden Mehrerlöse abgeschöpft und in das System zurückgeführt. Dadurch werden Preise nach oben und unten begrenzt.
Parallel dazu fördert die EU verstärkt langfristige Stromlieferverträge (PPAs), um zusätzliche Stabilität in den Markt zu bringen. Unternehmen und Energieversorger sollen sich stärker über langfristige Preisbindungen absichern können.
Diese beiden Entwicklungen zeigen deutlich die Richtung:
Der Energiemarkt bleibt marktbasiert, wird aber zunehmend durch politische Instrumente ergänzt und stabilisiert.
Für die Preisbildung bedeutet das eine klare Veränderung. Kurzfristige Börsenbewegungen verlieren an Einfluss, während langfristige Absicherung und regulatorische Eingriffe stärker wirken.
Der entscheidende Punkt ist daher:
Preise entstehen künftig nicht mehr ausschließlich aus Angebot und Nachfrage, sondern zunehmend aus einer Kombination von Marktmechanik und politischer Steuerung.
➡️ Kurz & klar im Kundengespräch:
„Die Preise werden zunehmend stabilisiert – nicht mehr jede Bewegung an der Börse kommt beim Kunden an.“
🔎 Was bedeutet das für Energiemakler?
Praxis: Kundenfragen & Einwände im März

Im April zeigt sich im Kundengespräch ein klares Muster: Der Markt wirkt ruhig, gleichzeitig passen die Erwartungen der Kunden oft nicht mehr zur aktuellen Preislogik. Genau hier entscheidet sich die Qualität der Beratung.
Kundenfragen & Einwände im April, „Kurz & klar im Kundengespräch“:
1) „Warum beeinflusst die geopolitische Situation die Energiepreise so stark?“
Viele Kunden nehmen wahr, dass Ereignisse weltweit unmittelbare Auswirkungen auf ihre Energiepreise haben, oft ohne den direkten Zusammenhang zu verstehen.
👉 Einordnung für Sie: Der Kunde denkt in der alten Marktlogik. Heute wirken zusätzlich Absicherung, Risiko und Strukturkosten auf den Preis.
➡️ Kurz & klar im Kundengespräch:
„Die Börse ist aktuell stabil, aber der Preis entsteht heute nicht mehr nur dort. Energieversorger sichern stärker ab und kalkulieren vorsichtiger – deshalb bleibt das Niveau stabil.“
2) „Warum wurde mein Antrag abgelehnt, obwohl der Preis passt?“
👉 Einordnung für Sie: Energieversorger prüfen deutlich strenger. Der Preis ist nur noch ein Teil der Entscheidung.
„Die Börse ist aktuell stabil, aber der Preis entsteht heute nicht mehr nur dort. Energieversorger sichern stärker ab und kalkulieren vorsichtiger – deshalb bleibt das Niveau stabil.“
2) „Warum wurde mein Antrag abgelehnt, obwohl der Preis passt?“
👉 Einordnung für Sie: Energieversorger prüfen deutlich strenger. Der Preis ist nur noch ein Teil der Entscheidung.
➡️ Kurz & klar im Kundengespräch:
„Aktuell wird neben dem Preis vor allem auf Bonität und Datenqualität geschaut. Wenn das Gesamtbild nicht passt, wird auch ein guter Preis nicht angenommen.“
3) „Sollte ich noch warten? Die Preise könnten doch fallen.“
👉 Einordnung für Sie: Der Kunde spekuliert auf kurzfristige Marktbewegungen, die aktuell weniger durchschlagen.
➡️ Kurz & klar im Kundengespräch:
„Der Markt stabilisiert sich gerade. Es kann immer Bewegung geben, aber aktuell sichern Sie sich eher ein stabiles Niveau, statt auf deutliche Rückgänge zu spekulieren.“
🔎 Was das für Energiemakler bedeutet
👉 Sie verkaufen nicht mehr nur einen Preis, sondern vor allem Einordnung. Wer den Markt verständlich erklärt, führt das Gespräch und nimmt Unsicherheit raus.
Inside enermakler: Makler Mindset – Maklerführung im Markt – Klarheit, Timing & Abschlussstärke

